Die ASV Volleys haben wieder für eine dicke Überraschung gesorgt: mit ihrer 2:3-Niederlage gegen Rekordmeister Berlin Recycling Volleys verhinderten sie einen Wechsel an der Tabellenspitze der Volleyball-Bundesliga.
Die Berliner hatten schon im Vorfeld offen kundgetan, dass sie mit einem Auge auf das parallel stattfindende Spitzenspiel in Lüneburg gegen Düren blicken werden und darauf hoffen, mit einem Sieg in Dachau erstmals die Tabellenspitze übernehmen zu können. Zwar ließ der aktuelle Primus Lüneburg auch einen Punkt liegen, doch hätte Berlin wohl eher die volle Konzentration auf das eigene Spiel in der Georg-Scherer-Halle halten sollen. So bleibt es weiterhin bei Rang zwei für den Rekordmeister.
Für die Dachauer sind die Kämpfe um die beste Ausgangslage natürlich weit entfernt, dennoch war der Jubel am Mittwochabend groß, als nach vier Sätzen ein weiterer überraschender Punktgewinn feststand. "Aber direkt nach dem Spiel wusste ich erst einmal noch nicht, was ich mit dem Punkt anfangen soll", gestand Trainer Patrick Steuerwald, der aber im Laufe des Abends doch die Freude über den Bonuspunkt fand. "Aber da auch der Tiebreak extrem knapp war, hätten wir auch gerne einmal einen Sieg mitgenommen."
Zumal das Momentum in dieser Zeit eher auf Dachauer Seite lag, die sich in einem offenen Schlagabtausch zurückgekämpft hatten. Im Eingangssatz schien das Spiel nämlich den erwarteten Verlauf zu nehmen. Berlin spielte mit Ruben Schott und Daniel Malescha von Beginn an konzentriert und brachte es früh zu einem komfortablen Vorsprung. Dachau ließ zwar nicht abreißen und versuchte ins Spiel zu finden. Das sollte aber im ersten Satz noch nicht von Erfolg geprägt sein - 19:25.
Besser wurde es dann im zweiten Durchgang, als die ASV Volleys ihren Aufschlagdruck erhöhten und ihre flache Georg-Scherer-Halle nun auch einmal gegen ein Top-Team zu einem Vorteil nutzen konnten. Berlin hatte in der Annahme merklich Probleme mit der niedrigen Deckenhöhe, vor allem Nolan Flexen fand keine Sicherheit. Auch als Berlin einen Dachauer Vorsprung mit dem zwischenzeitlichen Ausgleich konterte, ließ sich der ASV nicht mehr beirren und brachte den zweiten Satz mit 25:22 nach Hause.
Die folgende Pause nutzten diesmal die Berliner besser und zeigten den Gastgebern mal eben ihre Grenzen auf. Von Beginn an sah sich der ASV einem starken Druck ausgesetzt, fand selbst kaum mehr ins Spiel. Die Fans in der Halle und am Livestream waren froh, dass der ASV mit 11:25 zumindest noch auf ein zweistelliges Punktekonto kam.
Wer nun aber dachte, dass Berlin das Spiel souverän nach Hause bringen werden, sah sich schnell getäuscht. Top-Scorer Marius Büchi, inzwischen vom für Severin Brandt eingewechselten Luca Russelmann eingesetzt, lief wieder einmal heiß und brachte sein Team zurück ins Spiel. Auch Levi Olson setzte von der Aufschlaglinie wieder deutliche Zeichen, steuerte einige Asse bei, ebenso der für den angeschlagenen Tobias Besenböck eingewechselte Will Kuhns.
"Dass uns das auch gegen den besten Berliner Annahmeriegel gelungen ist, zeigt schon, dass wir wirklich gut aufgeschlagen haben", zollte Steuerwald seinem Team Respekt, dass auch nach Berliner Wechseln in der Annahme weiter Punkte von der Aufschlaglinie kamen. Die Hausherren gingen so mit einer knappen Führung in die Crunchtime. Dort lief es lange ausgeglichen, doch der vierte Satzball brachte dann die Erleichterung: 28:26, der Punktgewinn war unter Dach und Fach.
Mit neuer Energie ging Dachau auch in den Tiebreak, hielt von Beginn an mit dem Rekordmeister mit. Zum Seitenwechsel erarbeitete sich Berlin erstmals eine kleine Führung, die Dachau abermals ausglich. Ein Block von Russelmann brachte die Halle nochmals in Hochstimmung, das Match stand auf Messers Schneide. Doch am Ende waren die Gäste doch zu abgezockt: Florian Krage-Brewitz verwertete direkt den ersten Matchball mit einem Block zum 15:13.
Auch wenn das Punkteverhältnis am Ende mit 113:96 eine klare Sprache zu sprechen schien, zeigt ein Blick in die Statistik wie stark die Dachauer an diesem Abend Paroli boten: beide Teams standen am Ende - auch mit Hilfe der Hallendecke - bei 14 Assen, Dachau war bei den Blocks sogar leicht überlegen (7:5). Und auch in der Annahme (58:43) war der ASV statistisch besser, der beste Punktesammler war wieder einmal Büchi (29). Lediglich die Eigenfehler standen Dachau am Ende für die ganz große Sensation im Weg.
"Das ist aber auch völlig in Ordnung", analysierte Steuerwald. "Gegen einen solchen Gegner müssen wir voll ins Risiko, da passieren Fehler. Aber daran wollen wir nun arbeiten und weiter wachsen." Zur Belohnung gab es dann erst einmal einen Tag zur Regeneration, ehe die Vorbereitung auf das Duell beim VfB Friedrichshafen startet. Zur Erinnerung: auch hier unterlag Dachau im Hinspiel überraschend erst im Tiebreak.
Foto: Pure Emotionen: die ASV Volleys mit Levi Olson überraschten auch gegen Rekordmeister Berlin (Fotograf: Bruno Haelke)