8. März 2026

Eine Serie reißt, eine Serie besteht

Da war es nur noch einer: die ASV Volleys haben zum ersten Mal seit ihrer Bundesliga-Rückkehr auch gegen die Helios Grizzlys Giesen gepunktet. Wie so oft in dieser Saison reichte es am Ende aber "nur" zu einem Punkt: nach fast zwei Stunden stand ein 2:3 auf der Anzeigetafel.

Damit ist zwar die Punktlos-Serie gegen Giesen am Ende der dritten Bundesliga-Saison gerissen, die Serie der Tiebreak-Niederlagen gegen Top-Teams aber bleibt. Zum sechsten Mal unterlagen die ASV Volleys in der aktuellen Saison im fünften Satz. Neben der Niederlage gegen VCO Berlin war dies ausschließlich gegen Mannschaften aus den Top 5 der Fall: zwei Mal Düren sowie Friedrichshafen und Berlin - und nun Giesen.

"Das scheint diese Saison wohl unser Schicksal zu sein", war auch Trainer Patrick Steuerwald nach dem Spiel etwas ratlos, betonte aber gleichzeitig die erneut gute Leistung seiner Mannschaft: "Wir sind heute nicht gut ins Spiel gekommen. Aber es zeichnet uns in dieser Saison aus, dass wir nicht aufgeben und uns reinkämpfen. Und deswegen macht es mit dem Team auch so viel Spaß", war er nach dem Spiel doch wieder mehr zufrieden als unglücklich.

Ein Sonderlob hatte er diesmal für Will Kuhns parat, der zu Beginn des zweiten Satzes für Levi Olson ins Spiel kam: "Für ihn war es die letzten Wochen nicht einfach, weil er nicht viel gespielt hat. Aber umso stärker ist seine Leistung heute zu bewerten." In der Tat stabilisierte der US-Amerikaner sein Team vor allem in der Annahme, kam bei 21 Annahmen auf starke 76% positive Annahmen, davon 24% sogar perfekt.

Zunächst schien Kuhns Einwechselung aber keinen Einfluss auf das Team zu nehmen. "In den ersten zwei Sätzen hatte ich eher das Gefühl, dass Giesen das Spiel gut kontrolliert. Aber ich wusste auch, dass uns nicht viel fehlt", blickte Steuerwald in seiner Analyse zurück. In der Tat verliefen die ersten beiden Sätze, wie man es für ein Spiel des Tabellenzwölften gegen den Fünften erwarten könnte. Giesen spielte von vorneweg, hielt meist einen Vorsprung und unterbrach auch Dachauer Runs immer wieder frühzeitig. Eine verdiente 2:0-Satzführung (25:20, 25:19) war das zwischenzeitliche Ergebnis.

Steuerwald und sein Team machten dann in der Zehn-Minuten-Pause etwas zu wenig Einsatzbereitschaft aus, wollten diese aber ab dem dritten Durchgang zeigen - und überraschten die Gäste damit scheinbar. Diesmal dominierte Dachau das Geschehen, zwang die Gäste beim 9:5 schon zur ersten frühen Auszeit. Doch das störte den Rhythmus der ASV Volleys nicht. Über 12:5 und 17:9 ging es mit neun Punkten Vorsprung in die Crunchtime (20:11). Und der sollte bis zum Ende halten, so dass das Duell nun wieder offen war (25:16).

Giesen wollte aber seiner Favoritenrolle gerecht werden und mit drei Punkten zurück nach Niedersachsen fahren. Sie legten im vierten Satz stark los, holten sich früh fünf Punkte in Serie. Steuerwald musste beim 2:6 schon die erste Auszeit nehmen. Doch die zeigte Wirkung: beim 6:7 war sein Team dran, beim 10:9 schon erstmals in Führung. Als diese auf 14:11 anwuchs, musste Gäste-Coach Itamar Stein auch zur Auszeit greifen. Es war nun ein Duell auf Augenhöhe, Dachau zog etwas davon (18:13), Giesen war zur Crunchtime zurück im Spiel (20:19). Doch diesmal war der ASV konsequenter und sicherte sich mit 25:22 den Satzausgleich und damit erneut einen Punkt.

Im Tiebreak verließ die Gastgeber dann aber ein wenig das Glück. Netzroller-Asse der Gäste, ein Angriff von Cody Kessel, der mit der Netzkante ins Dachauer Feld fiel, eine knappe Challenge, die nicht aufgelöst hat werden können. "Und dann hatten wir auch noch ein oder zwei unglückliche eigene Entscheidungen, so dass wir nicht mehr rangekommen sind", sah Steuerwald nun auch fehlendes Spielglück als Ursache. Und so durften die Grizzlys nach dem 15:12 ihren zweiten Punkt sowie den Auswärtssieg bejubeln. Immerhin die MVP-Medaille blieb in Dachau: erneut sicherte sich Marius Büchi, mit 22 Punkten Top-Scorer der Partie, die Auszeichnung. Doch auch Tobias Besenböck und Giesens Mark Rura kamen mit 20 Punkte auf starke Werte.

Für Dachau ist damit auch klar: egal, wie die Konkurrenz aus Mitteldeutschland und Warnemünde am Sonntagnachmittag spielt, der Klassenerhalt bleibt weiter offen, wenngleich sich die Situation zumindest nicht verschlechtert hat. Und vielleicht gelingt das Erreichen des Saisonziels dann ja mit einer weiteren Serie, die am kommenden Wochenende enden kann: denn dann geht es für Dachau ausgerechnet zum frischgekürten Pokalsieger SVG Lüneburg. Dachau ist klarer Außenseiter, keine Frage. Aber die SVG ist seit Samstagabend das letzte Team, gegen den die ASV Volleys in drei Jahren Bundesliga noch nicht gepunktet haben. Braucht es da noch mehr Motivation?

Foto: Stabil in der Annahme, stark im Angriff: auch Tobias Besenböck zeigte eine starke Leistung. (Fotograf: Birgit Herzum)

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